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Nero Vergleich sein Darstellungstypen

1.) Einleitung

Bis in die Gegenwart bleibt Nero aufgrund seiner umstrittenen Handlungen und seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit von großem Interesse. In zahlreichen kulturellen Überlieferungen hat er regelrecht die Rolle des Archetyps eines despotischen Herrschers übernommen. Dies wirft Fragen auf, insbesondere im Hinblick darauf, wie sich dieses ambivalente Bild auch in den verschiedenen Darstellungen Neros widerspiegelt.
Um ein besseres Verständnis für zu erlangen, werde ich eine Analyse von fünf 3D-Scans von Nero-büsten durchführen, die in den Sammlungen der Universität Göttingen aufbewahrt werden. Dabei werde ich diese Scans mit Hilfe des Programms Meshlab einer Untersuchung unterziehen und die gewonnenen Erkenntnisse miteinander vergleichen.
Damit möchte ich nicht nur Licht auf die künstlerische Darstellung Neros im Laufe der Zeit werfen, sondern ob sich dies auch in seinem Kaiserbildnis ausdrücken.
 
2.) Das Leben Neros
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Zunächst möchte ich mich jedoch mit dem Leben Neros befassen. Dabei wird schnell deutlich, dass die negative schriftliche Darstellung von Nero möglicherweise auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass viele Informationen über ihn von römischen Historikern wie Sueton und Tacitus stammen. Diese Historiker nahmen eine äußerst kritische Haltung ihm gegenüber ein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie ihre Werke mehrere Jahrzehnte nach dem Ende von Neros Herrschaft verfassten. Dies bedeutet, dass ihre Darstellungen möglicherweise von späteren Ereignissen und nachträglicher Legendenbildung beeinflusst wurden. Daher ist es von großer Bedeutung, den zeitlichen Abstand und die persönlichen Ansichten der Historiker bei der Beurteilung von Neros Leben und Regierung zu berücksichtigen
 
Nero am 15. Dezember 37 n. Chr. in Artium geboren wurde, er entstammt der Familie der Claudier und ist Sohn von Gnaeus Domitius und Agrippina der Jüngeren, welche Ihm eine direkte Verbindung zu Augustus gab.  Auch dank seiner ehrgeizigen Mutter wurde er bereits im Alter von 13 Jahren durch Adoption von Kaiser Claudius als sein designierter Nachfolger bestimmt. Mit gerade einmal 17 Jahren bestieg nach einem plötzlichen Tod des Kaisers Claudius am 13. Oktober 54 n. Chr. den Thron des römischen Reiches und regierte bis 68 n. Chr.
 
Die ersten Jahre seiner Herrschaft waren tief von der Einflussnahme seiner Mutter geprägt.
Doch Nero war dieser große Einfluss ein Dorn im Auge und das Verhältnis zu Ihr verschlechterte sich stetig. Im Jahr 59 n. Chr. wurde ihm zur Last gelegt, den Tod seiner Mutter herbeigeführt zu haben, da ihr Einfluss zu mächtig für ihn geworden sei. (nach Q 2, 364)   
Doch dies war nicht der einzige Tod für den er von Antike Quellen wie Sueton verantwortlich gemacht wird. So berichtet er ebenso von dem Mord an seiner Ehefrau Oktavia (Tochter des Kaisers Claudius) und seines Beraters Afranius Burrus, sowie seinen Stiefbruder Britanicus.
 
Neben diesen möglichen Morden trugen auch seine unkonventionellen Regierungsmethoden zu seinem umstrittenen Ruf bei. Er trat häufig selbst in Theateraufführungen auf und verfolgte künstlerische Interessen, was Geschichtsschreibern wie Tactitus (Q3) als unangemessen für einen römischen Kaiser ansahen.
 
Ein wichtiges tragisches Ereignis in seiner Regierungszeit war der Große Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr., der weite Teile der Stadt verwüstete. Später wurde Nero für diese Katastrophe verantwortlich gemacht. Jedoch ist historisch nicht belegbar, dass er für den Brand verantwortlich war. So befand sich der Kaiser zu diesem Zeitpunkt nicht in Rom. (nach Q7 S. 128) Nach dem Brand führte Nero ambitionierten Bauprojekte durch, zu denen die Restaurierung und Umgestaltung Roms zählte. Besonders bemerkenswert war, das Goldene Haus (Domus Aurea), eine opulente Palastanlage.
 
Weiterhin verschlechterte sich das Verhältnis zu Senat stätig. Im Jahr 65 gab es eine Verschwörung einiger mächtiger Senatoren wie Gaius Piso, hierauf wurden nach Säuberungsaktionen viele wichtige Senatoren zum Tode verurteilt oder wie der Philosoph Seneca zum Selbstmord gedrängt. Dies kann auch ein Ausdruck der zunehmenden Unzufriedenheit führender Persönlichkeiten mit der Herrschaft Neros verstanden werden.
 
Im Jahr 68 gipfelte die wachsende Unzufriedenheit in eine Rebellion seiner wichtigsten Generäle. Unter der Führung von Gaius Julius Vindex lehnten sich die wichtigsten Generäle gegen Neros Herrschaft auf. Darauf wurde Nero auch vom Senat als abgesetzt erklärt. Schließlich nahm er sich das Leben, was das Ende der julisch-claudischen Dynastie besiegelte.         

3.) Außendarstellung

Neros Leben war kurz, da er bereits im Alter von 30 Jahren Selbstmord beging. Doch seine öffentliche Darstellung unterlag erheblichen Veränderungen im Laufe der Zeit. In seiner Jugend wurde er stark von seiner Mutter und den traditionellen Kaiserrollen beeinflusst. Während seiner Regierungszeit hingegen strebte er danach, einen völlig neuen Kaiserstil zu etablieren.
 
In seinen frühesten Porträts wurde er deutlich im Stil der julisch-claudischen Prinzen dargestellt. Auch nach seiner Thronbesteigung blieb er zunächst diesem Stil treu. Darüber hinaus wurde er gemeinsam mit seiner Mutter auf Münzen abgebildet (Q1 S. 336), was ein deutliches Zeugnis für den Einfluss seiner Mutter Agrippina auf seine frühe Regierungszeit darstellt.
Doch nach dem Tod seiner Mutter vollzog Nero eine bemerkenswerte Veränderung in seiner öffentlichen Darstellung. Er strebte danach, sich von seinem bisherigen Image zu lösen und eine neue Ära einzuläuten. Dies führte zur Entwicklung eines völlig neuen Porträtstils für Nero der 59 n. Chr  ( nach Q1 S. 335) eingeführt wurde . Seine charakteristischen, in Spiralen geformten Locken, die er sich von Dienern mit einer speziellen Brennschere machen ließ, prägten dieses neue Erscheinungsbild.
So legte Nero großen Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild.
In der frühen Phase dieses Typus wurde Nero oft mit einem 'flaumigen Bart, der sein Kinn bedeckt' dargestellt (nach Wq 1 S. 337). In späteren Jahren wurde er dann mit Stoppeln dargestellt (nach Wq 1 S. 337), was einen Bruch mit der bis dahin üblichen kaiserlichen Tradition darstellte, da Kaiser bis zu diesem Zeitpunkt nie mit Bart dargestellt wurden.
 
Möglicherweise war der neue Porträttypus von griechischen Schauspielern oder Philosophen inspiriert, da Nero zeitlebens von der griechischen Kultur fasziniert war. Er unternahm mehrere Reisen nach Griechenland, nahm an den Olympischen Spielen und anderen Sportveranstaltungen teil, bei denen ihm öffentlich Preise verliehen wurden. Eventuell war dieser Typus auf seine künstlerischen Ambitionen und seine Leidenschaft für Musik, Poesie und Theater zurückzuführen sein. Für beide Thesen fanden nachfolgende Historiker Indizien.  J.M.C Tombyees argumentiert, dass es „den Stil eines professioneller Theaterkünstler widerspiegelt” (nach Q6 137) und   L’Orange meint es „zitiert hellenistische Frisuren" (nach Q5 285-91 ). Klar ist, das Nero schon in der Jugend in Dramen auftrat und er diese Aktivitäten auch nach seiner Thronbesteigung fortsetzte. Das Theater war wichtiger Teil seiner Selbstinszenierung.
 
Im Laufe seiner Regentschaft verfeinerte die antiken Künstler den Porträtstil kontinuierlich und schuf ein immer deutlicheres Bild mit einer noch ausgeprägteren Sichel-Frisur. Dies mündete schließlich in der Entstehung des letzten Typus um 63 n Chr. (Q1, S. 335)
Nach dem Großbrand von Rom nutzte Nero seine Macht, um großartige Bauprojekte zu initiieren und Rom neu zu gestalten. Eines der bekanntesten Projekte war die Domus Aurea eine riesige neue Palastanlage. Zur Selbstdarstellung ließ der Kaiser den „Koloss des Nero", einer riesigen Bronzestatue in der Eingangshalle seines Palastes aufstellten. Diese Statue, soll beeindruckende 119 bis 120 Fuß hoch gewesen sein (etwa 35 Meter). (nach Q8, S. 130–131)
Dennoch vermochte Neros pompöse Selbstdarstellung nicht darüber hinwegzutäuschen, dass seine Macht langsam schwand. Der Bruch mit der traditionellen Darstellungsweise könnte diesen Verfall sogar noch beschleunigt haben.
Nach dem Tod Neros hatten die unmittelbaren nachfolgenden Kaiser ein starkes Interesse daran, sich von Nero zu distanzieren. Dies führte dazu, dass viele von Neros Bauwerken einer Umnutzung unterzogen wurden und seine Skulpturen zerstört oder umgewandelt wurden. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die riesige Statue von Nero, die später in eine Statue des Sol, dem römischen Sonnengott, umgewandelt wurde und vor dem Amphitheater aufgestellt wurde. (nach Q8 S. 130–131)
 
Darüber hinaus wurde Nero von späteren christlichen Kaisern und Gelehrten äußerst negativ betrachtet, da er die Schuld am Großen Brand Roms auf christliche Brandstifter geschoben haben soll und diese im Kolosseum hinrichten ließ. Diese Sichtweise führte zu einer anhaltenden und stark negativ geprägten Darstellung von Nero auch in den folgenden Jahrhunderten.
 
4.) Darstellungstypen
 
Die überlieferten Darstellungen Neros haben es Archäologen und Historikern ermöglicht, vier verschiedene Darstellungstypen zu identifizieren. Diese Typen sind oben dargestellt und veranschaulichen, wie Nero im Laufe seines Lebens sein Erscheinungsbild gestaltet hat.
Der erste Typus, auch bekannt als der "Nero Parma" Typus, stellt ein Prinzenbildnis dar und entstand im Kontext von Neros Adoption durch Kaiser Claudius. Hier „trägt Nero eine glatte Frisur mit einem Mittelscheitel ,damit steht diese Darstellung noch ganz in der Tradition der judisch-claudischen Prinzen“. (Webquelle 1)
Der zweite Typus, der als "Nero Cagliari" bekannt ist, zeigt eine ähnliche Frisur wie der erste Typus, aber mit noch tiefer in die Stirn gekämmten langen, glatten Haarsträhnen. „Das Stirnhaar ist gespalten über der Nasenwurzel, und im Nacken fallen die Haare in langen Strähnen herab. Die Gesichtszüge sind erwachsener, mit einer breiten oberen Gesichtshälfte, die sich nach unten hin verjüngt.“ (Webquelle 2)
Der dritte Typus markiert einen radikalen Schritt in der Entwicklung und wurde nach dem Tod seiner Mutter entwickelt.  „Hier sind die Haare in Wellen und Stufen angeordnet, mit markanten Sichellocken, die sich über Stirn und Schläfen erstrecken. Über dem linken Augenwinkel befindet sich ein einzigartiges Gabelmotiv. Außergewöhnlich lange Koteletten münden teilweise in die Locken eines Wangenbartes, der bis zum Halsansatz reicht. Das Gesicht ist voller, mit hängenden Orbitalen, Fettfalten um den Mund und einem kräftigen, schräg abfallenden Kinn.“ (Webquelle 3)
 
Der vierte Typus ist eine Weiterentwickelung des dritten. „Hier sind die langen Haarsträhnen von einem spinnenförmigen Wirbel auf der Kalotte ausgehend in vier ringförmig übereinandergeschichtete Stufen nach vorn gekämmt. Die Stirnhaare stehen fast senkrecht auf der Stirn und bilden einen gleichmäßig nach links geschwungenen Bogen. Das Nackenhaar ist sehr voll und lang und wird an den Seiten nach vorne zu den Ohren gestrichen. Spitzzulaufende Koteletten bedecken teils einen glatt rasierten, teils einen kurz gelockten Bart auf den Wangen. Das Gesicht ist gedrungener und zeigt eine erhöhte fleischige Fülle.“ (Webquelle 4).
 
5.) Beschreibung der zu untersuchenden Büsten
BildZusammenstellung von fünf 3D-Renderings der Büsten von Kaiser Nero aus den Sammlungen der Universität Göttingen. Die Büsten sind in einer Reihe angeordnet, von vorne und in verschiedenen Ansichten gezeigt, und nummeriert von 1 bis 5 auf schwarzem Hintergrund.
Bild 1 Rendering von 5 Nero Statuen
BildZusammenstellung der fünf 3D-Renderings der Nero-Büsten, basierend auf Bild 1. Zusätzlich sind an jeder Büste bestimmte Bereiche (vor allem die Nasenpartie, bei Büste 2 auch das rechte Ohr) farblich hervorgehoben.Dieses zeigt die Änderungen.
Bild 2 Rendering der 5 Nero Statuen mit Maskierung der geänderten Stellen nach Webquelle 5
Diese Renderings sind die fünf 3D-Scans von Nero-Statuen erstellt, welche im Besitz der Georg August Universität Göttingen sind. Diese 3D-Scans werde ich im Verlauf analysieren.
Hierbei habe ich die Größe der Büsten angeglichen und die Polygonzahl auf 35.000 Polygone reduziert. Dies ermöglichte es, sie leichter in Meshlab miteinander zu vergleichen. Im ersten Rendering können die fünf Statuen ohne Markierungen miteinander verglichen werden. Im zweiten Rendering habe ich spätere Änderungen, die im Virtuellen Antikenmuseum Göttingen erwähnt wurden, mit Braun markiert.
Die Büste ganz links ist ein Kolossalbild (Webquelle 5 A667). Es misst 44 cm in der Höhe, 25 cm in der Breite und 26cm in der Tiefe, mit einer Sockelhöhe von 0,145 Meter und ist somit um einiges Größer als die Bildnisse 2, 3 und 4. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen habe ich es auf die Größe der anderen Statuen verkleinert. Das Original stammt aus Athen und ist möglicherweise neuzeitlich oder wurde neuzeitlich hergerichtet. Für die Erstellung des 3D Scans lag ein Gipsabguss mit Ergänzungen und Gußnähten vor, welcher im Jahr 1876 in London erworben wurde. Nasenspitze der Skulptur wurde ergänzt.
 
Das zweite Bildnis (Webquelle 5 A1044) gehört zum Nero Typus III. Das Original stammt möglicherweise auf dem Palatin in Rom. Es besteht aus Marmor und hat die Maße 31 cm in der Höhe 21 cm in der Breite und 24 cm in der Tiefe, mit einer Sockelhöhe von 13 cm. Der Scan beruht auf einem Gipsabguss das im Jahr 1923 aus Leipzig erworben wurde. Es weist einige Ergänzungen auf, darunter fehlende Teile der Nasenspitze, des rechten Ohrläppchens, Kinns und des Randes des linken Ohres, sowie das Fehlen eines antiken Scheitelstücks.
Der Scan der dritten Büste (Webquelle 5 A1416), ebenfalls Nero (Typus III) beruht auf einem Abguss, der 1982 erworben wurde.  Er hat die Maße 0,345 Meter in der Höhe und 21 cm in der Breite und 24 cm in der Tiefe. Ergänzungen wurden an der Nase und am Kinn vorgenommen.  Das Original stammt aus den Uffizien in Florenz. Das Original der vierten Büste (Webquelle 5 A1627), Nero (Typus IV), befindet sich im Worcester Art Museum. Die Maße betragen 38cm in der Höhe 23cm in der Breite und 23 cm in der Tiefe. Der Scan beruht auf einen Gipsabguss, der 1992 im Tausch mit Princeton erworben wurde. Es gibt keine Informationen über Ergänzungen oder Änderungen an diesem Bildnis. Allerdings ist zu beobachten das die Nase fehlt und es Abstoßungen am Kinn gibt.
Der Ursprung des fünften Bildnisses (Webquelle 5 A1791) Nero (Typus IV) ist eine Marmorbüste aus der Glyptothek in München. Der 3D scann beruht auf einem Gipsabguss der 2008 erworben wurde. Es hat die Maße 44,5 cm in der Höhe, 30 cm in der Breite und 31 cm in der Tiefe und ist somit um einiges größer als die Bildnisse 2 und 4. Auch hier habe ich also eine Verkleinerung durchgeführt, um das Statue vergleichbar zu machen. Es gibt keine Informationen über Änderungen an diesem Bildnis. Aber es ist zu beobachten, dass es auf der linken Wange eine Absplitterung gibt.
 
6.) Vergleich der 3D Modelle
 
Um einen Vergleich der Skulpturen durchzuführen, wurde in diesem Bild die Hausdorff-Distanz verwendet, um Abweichungen zwischen den 3D-Modellen in Meshlab darzustellen. Zuerst wurden alle fünf Plastiken in Meshlab mit dem Align-Tool aufeinander ausgerichtet und ihre Größe angepasst. Danach wurde die Hausdorff-Distanz zwischen ihnen berechnet.


Eine Matrix, die den geometrischen Vergleich der fünf 3D-Nero-Büsten untereinander zeigt. Die farbigen Darstellungen (Heatmaps) veranschaulichen die Abweichungen zwischen den Modellen, basierend auf der Hausdorff-Distanz. Eine Legende über der Matrix definiert die Farbkodierung für verschiedene Distanzbereiche (in mm): 0 bis 10, 10 bis 20, 20 bis 30, 30 bis 40 und größer als 40.Bild
 Bild 3 Verleich er 5 Meshlabköpfe von Nero mit Hilfe der Hausdorfdistanz
 
Die Hausdorfdistanz habe ich hierbei bei min 0.000015 und bei max. 53.526970 eingestellt. Dabei habe ich, um einen Fokus auf die relevanten Unterschiede zu bekommen, einen Prozentschnitt bei 25% gemacht. Diese Visualisierung ermöglicht es, die Köpfe miteinander zu vergleichen und Unterschiede leichter zu erkennen. In dieser Darstellung repräsentieren blaue Flächen einen erheblichen Unterschied zwischen den Köpfen, während rote Flächen einen nur sehr geringen Unterschied anzeigen. Die Farbtöne dazwischen stellen die kleineren Unterschiede dar.
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Bei der Betrachtung der Distanzen fällt zunächst auf, dass die als neuzeitlich beschrieben Kolossalbüste (1) (Webquelle 5), sich wesentlich von den anderen Statuen von den restlichen Statuen abhebt. Bei Ihr sind die Unterschiede zu den restlichen Statuen besonders groß. Von der Gesichtsform scheint sie aber mehr den Statuen des Typus 3 (2 und 3) zu ähneln, besonders in den Augenpartien sind die Unterschiede geringer als zu den anderen Büsten des Typus 4 (4 und 5). Bei einer Betrachtung der Frisur scheint Sie aber mehr zu den Büsten bei deren letzten Figuren zu gehören.  Allerdings gibt es wesentlich Unterschiede bei der Frisur.  Wenn man die Renderings (Bild 9/10) hinzuzieht fällt gleich auf, dass die Haare detailreicher und prägnanter wirken. Dies lässt sich aber nicht nur durch die Größe erklären, denn sie hebt sich damit auch stark von der zweiten Kolossalstatue (5) ab, obwohl mit sie mit den gelichförmigen Sichellocken zum gleichen Typus gehören sollte, auch fehlen typische Merkmale wie die nach vorn gestrichenen Koteletten. Es ist anzunehmen, dass diese signifikanten Unterschiede auf die spätere Entstehungszeit der Statue zurückzuführen sind. Dabei können sie durch eine Veränderung des Nerobildes über die Jahrhunderte und eines geringen Verfalls des Kunstwerkes durch Außeneinwirkungen geprägt sind. 
 
Bei der Analyse des zweiten Kopfes fällt besonders auf, dass sich die linke Gesichtshälfte erheblich von der anderen Büste des Typus 2(3) unterscheidet. Interessanterweise weist die rechte Seite hingegen deutliche Ähnlichkeiten auf, selbst die rekonstruierten Teile wie Nase und Kinn ähneln sich stark. Im Vergleich zu den beiden Antikenskulpturen im Typus 4 (4 und 5) fällt auf, dass die Wangenpartien erstaunlich ähnlich sind, und auch die linke Gesichtsseite weist gewisse Ähnlichkeiten auf. Die größten Unterschiede in Bezug auf die Hausdorfdistanz ergeben sich in der Stirnregion, insbesondere im Bereich des Nasenansatzes bei Skulptur 5, sowie im Augenbereich bei Skulptur 4. Bei einer genauen Betrachtung der Renderings in Bild 10 zeigt, dass die Stirn des zweiten Kopfes besonders stark gerunzelt ist, hierdurch können sich viele dieser Unterschiede erklären. Auffällig sind auch die deutlichen Unterschiede in der Mundpartie. Besonders zu den letzten beiden gibt Büsten, es hier klare Unterschiede. Die Unterschiede in den Nasen- und Kinnpartien können wahrscheinlich durch die unterschiedlichen Rekonstruktionen erklärt werden. Bei diesen ähneln sich Büste 2 und 3 sogar, sodass angenommen werden kann das die Rekonstruktion bei beiden ähnlich vorgenommen wurde. Interessanterweise zeigt der Vergleich der Renderings in Q5, dass diese als Einzige einen Flaumbart am Rand des Gesichts tragen. Dieses künstlerische Merkmal fällt jedoch nicht so stark bei der Betrachtung der Hausdorfdistanz auf, da es um den Hals Bereich sehr große Unterschiede zwischen allen Büsten gibt. Sodass ein solches Merkmal, die historisch für die Datierung wichtig sein könnte, bei einer reinen Betrachtung der Distanzen leicht verloren gehen können.
Bei der Untersuchung des 3-ten Kopfes sticht hervor, dass er in vielen Bereichen dem 2ten und ähnelt.  Im Vergleich zur vierten Statue sind die Unterschiede in vielen Bereichen trotz ihres anderen Typus nicht so ausgeprägt. Besonders deutlich werden diese Unterschiede jedoch auf der linken Stirnseite und der rechten Seite des Haaransatzes. Die markantesten Abweichungen zu den antiken Skulpturen zeigen sich beim fünften Kopf, insbesondere in Bezug auf die linke Gesichtshälfte. Hier sind klare Differenzen sowohl im Mundbereich als auch in der Stirnregion zu erkennen. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass der fünfte Kopf in der Größe reduziert wurde, was einige dieser Unterschiede erklären, kann
Die vierte Skulptur weist signifikante Ähnlichkeiten in Bezug auf die Hausdorff-Distanz zu den Skulpturen 2 und 3 auf. Obwohl bei einer genauen Betrachtung der Renderings (siehe Bild 10) deutlich erkennbar ist, dass sie nicht das Gabelmotiv aufweist, sondern stattdessen einheitliche geschwungene Sichellocken hat, was ihre Einordnung in den Typus 4 ermöglicht. Bei einer genauen Betrachtung der Renderings (Bild 10/11) scheint Nero hier etwas fülliger dargestellt zu sein. Dennoch sind diese Unterschiede nicht in dem Hausdorfvergleich ersichtlich, es gibt nur kleinere Unterschiede an der Nase, dem Mund und der Stirn.
Die letzte Plastik (5) weist wieder stärkere Unterschiede zu allen anderen Skulpturen. Möglicherweise beeinflusst dadurch, dass Sie eine größere Skulptur ist, was andere Möglichkeiten bei der Herstellung aber neue Herausforderungen mit sich gebracht haben muss. Dabei sind die Unterschiede, allerdings nicht so groß wie bei der ersten Skulptur. Besonders die Augenpartie und Backen ähneln der 2-ten und 3-ten Skulptur stark.
 
7.) Fazit
 
Bei der Untersuchung der fünf Statuen und der Anwendung der Hausdorfdistanz wurde deutlich, dass die Ähnlichkeiten, insbesondere im Bereich der Frisur, weniger ausgeprägt sind. Besonders auffällig war, dass die komplexen Lockenstrukturen nicht immer konsistent umgesetzt wurden. Selbst innerhalb desselben Typus gab es erhebliche Variabilität. Die charakteristischen Unterschiede zwischen den Frisurentypen waren im Rendering und im 3D-Modell leicht zu erkennen, stellten jedoch in der Hausdorfdistanz eine Herausforderung dar.
Auch Details die häufig zur Datierung der Skulpturen genutzt werden wie der Bart, konnten hier nur schwer gefunden werden. Regionen mit besonders starken Ähnlichkeiten fanden sich in den Wangen und Augenparteien (mit Ausnahme bei Büste 1).
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Eine Herunterskallierung des 3D-Modells, führte zu größeren Unterschieden in der Hausdorfdistanz. Besonders die als neuzeitlich deklarierte Büste(1), wies starke Unterschiede auf. Diese lassen sich leicht durch den Erhaltungszustand erklären, aber es gibt auch einige stilistische Unterschiede zum Beispiel bei der Darstellung der Augen. Bei den antiken Statuen waren die Unterschiede deutlich geringer. Auch die Skalierung erzeugte weniger Unterschiede als bei der neuzeitlichen Plastik.
So haben die antiken Bildhauer eine konsistente Darstellung des Kaisers erreicht, unabhängig von der physischen Größe des Porträts. In vielen Bereichen, wie den Augen und der Wangenstruktur, blieben die Darstellungen relativ konstant. Beim Übergang zwischen dem Typus 3 und 4 ließ sich kein so großer Unterschied nachweisen. So wurde die ähnliche Gesichtsstruktur über die Typen hinweggenommen fortgesetzt und kann als gute Wiedererkennung Merkmal dienen.  
Die Ergebnisse bestätigt, dass der Übergang vom Typus III zum Typus IV kein klarer Bruch in der Darstellung von Nero darstellte, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung des Stils war.
Es wäre jedoch wichtig, diese Erkenntnisse in weiteren Untersuchungen an einer größeren Stichprobe von Nero-Statuen zu bestätigen, um ein umfassenderes Verständnis für die Variationen in der künstlerischen Darstellung von Nero im Laufe der Zeit zu entwickeln. Dies könnte dazu beitragen, Licht auf die verschiedenen Facetten von Neros Darstellung zu werfen und die ambivalente Natur seines historischen Erbes besser zu verstehen.
 
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Quellen
 
1.) Bergmann, Marianne, Portraits of an Emperor – Nero, the Sun and Roman Otium, Mainz 2013
2.) Sueton, The Lives of the Twelve Caesars, Volume 06 , Übersetzung Thomson, eBook 2004
3.) Tacitus, The Annals of Tacitus published in Vol. V , Loeb Classical Library edition of Tacitus, 1937
4.) Bönisch, Sophia, Nero und Domitian: Mediale Diskurse der Herrscherrepräsentation im Vergleich                        
      Narr Francke Attempto Verlag, 2014
5.) L’Orange, H.P., Apotheosis in Ancient Portraitures  , London  1947
6.)  Tombee, JMC, Ruler-Apotheosis in Ancient Rome numismatic Chronicles, London 1947
7.) Barrett, Anthony,  Rom brennt! Nero und das Ende einer Epoche, Darmstadt 2021
8.)  Platner, Samuel, Colossus Neronis. In: A Topographical Dictionary of Ancient Rome, London 1929
 
Webquellen vom 1.9.2023
 
1 .) Nero Parma | Arachne (dainst.org)
2.) Nero Cagliari | Arachne (dainst.org)
3.) Nero München | Arachne (dainst.org)
4.) Nero Thermenmuseum | Arachne (dainst.org)
5.) Virtuelles AntikenMuseum Goettingen - Kurzsuche (uni-goettingen.de)
 
Bildquellen:
 
Bild 1:  Rendering der 5 Statuen erstellt in Cinema4D
Bild 2: Rendering der 5 Statuen mit Markierung der Änderungen erstellt in Cinema4D
Bild 3:  Vergleich der Statuen Screendshots aus Mehshlab 
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